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Februar 2008
 

200. Geburtstag von Carl Spitzweg
"Der Maler des Biedermeier"

Der Sonntagsspaziergang

 

 

Die Gemälde Carl Spitzwegs (1808—1885) gehören zu den bekanntesten und beliebtesten in Deutschland. Bei einer Umfrage des Kunstmagazins „art“ nach dem Lieblingsbild der Deutschen landete „Der arme Poet“ auf dem zweiten Platz, gleich hinter Leonardo da Vincis „Mona Lisa“. Auch Spitzwegs Bilder „Der Bücherwurm“ und „Der Sonntagsspaziergang“ stehen in der Rangliste weit vorne. Die drei Gemälde zeigen Spitzwegs Zeitgenossen aus der so genannten Biedermeierzeit zwischen 1815 und 1848 - immer mit einem leicht ironischen Unterton. Doch was genau zeichnete das Biedermeier aus? Und welche Rolle nahm Spitzweg in dieser Epoche ein?

Der Bücherwurm

Carl Spitzweg lebte in einer Zeit, die von den Nachwirkungen der Französischen Revolution und den Kriegen Napoleons geprägt war. Anders als in Frankreich hatten in Deutschland die Könige und Fürsten ihre Macht erhalten können. Demokratisch gesinnte Reformer wurden verhaftet, die Presse zensiert. Gegen diese Repressalien gab es kaum Protest aus der Bevölkerung. Im Gegenteil: Viele akzeptierten die Unterdrückung, da diese für sie politische Stabilität bedeutete. Nach den Unsicherheiten der napoleonischen Zeit wünschten sie sich eine feste gesellschaftliche Ordnung und wirtschaftliche Sicherheit. Dafür nahmen sie selbst die Beschneidung ihrer Bürgerrechte in Kauf.
 
Hausmusik statt Demo
Weil sich das Bürgertum politisch nicht betätigen konnte und wollte, wurde das häusliche Glück in den eigenen vier Wänden zum neuen Ideal. Die Bürger zogen sich nach dem Motto „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“ ins Privatleben zurück und dokumentierten der Obrigkeit damit, dass sie treu zum jeweiligen Landesherrn standen. Statt politischer Versammlungen oder Demonstrationen veranstalteten sie Kaffeekränzchen und Hausmusikabende. Man traf sich zu Lesungen und besuchte das Theater, wo kaum Stücke mit kritischem Inhalt, sondern meist harmlose Lustspiele aufgeführt wurden. Die Wirklichkeit mit ihren sozialen Missständen blendeten viele Bürger aus. Sie schufen sich im eigenen Heim und Garten eine künstliche Idylle, in der alles perfekt sein sollte: das gemütliche Wohnzimmer, der hübsche Garten, die gut sortierte Bibliothek wurden für viele zum Lebensinhalt.

Woher kommt der Name der Zeit
Über diese unpolitische Haltung und die Biederkeit vieler Bürger machten sich die politisch aktiveren Zeitgenossen lustig. Die Wochenzeitschrift „Fliegende Blätter“, für die auch Carl Spitzweg arbeitete, veröffentlichte eine Reihe satirischer Gedichte. Darin kam regelmäßig die fiktive Figur des kleingeistigen Schulmeisters Gottlieb Biedermeier vor, von dem es hieß, dass ihm schon „seine kleine Stube, sein enger Garten zu irdischer Glückseligkeit verhelfen“ - ein typischer Vertreter seiner Zeit eben. Über dieses Biedermeier amüsierten sich die Leser sehr, und so wurde der Name zu einem Begriff für den Zeitgeist jener Epoche und für die neue bürgerliche Kultur der Häuslichkeit.
Spöttelnd, doch nie spottend Für viele Kunstfreunde ist Carl Spitzweg der Maler des Biedermeier. In seinen Gemälden dokumentierte er die menschlichen Schwächen seiner Zeitgenossen, die er dabei aber stets als liebenswürdige und sympathische Figuren malte. Er spottete nie, sondern spöttelte höchstens. Das Verletzende und Gemeine war Spitzweg fremd. Auch deshalb haben seine Gemälde über die Jahre nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt. Auf einmalig ironische und doch zugleich charmante Art hat Carl Spitzweg für uns die Menschen der Biedermeierzeit, ihre Mode, ihre Marotten und nicht zuletzt ihre Geisteshaltung im Bild festgehalten. 
 

Der arme Poet

Der arme Poet
“Der arme Poet“ ist Carl Spitzwegs bekanntestes Gemälde. Das Bild zeigt einen Dichter in seiner ärmlichen Dachstube. Ein alter Schirm schützt seine Matratze vor den Wassertropfen, die durch die undichte Decke dringen. Zwischen Daumen und Zeigefinger zerdrückt er einen Floh. Seine Zipfelmütze besitzt hohe Symbolkraft: Sie ist Zeichen des verschlafenen, von der Politik ausgeschlossenen Bürgers. Durch das Fenster sind verschneite Dächer zu erkennen, offenbar ist es sehr kalt. Doch den Ofen kann der Dichter nur mit seinen eigenen Werken heizen:
Die Blätter im Ofenloch gehören zu einem Papierbündel, das lateinisch mit „Operum meorum fasckulum III“ (deutsch: Das dritte Bündel meiner Werke) beschriftet ist. Spitzweg zeigt den „armen Poeten“ als skurrilen Sonderling, der sich zu Höherem berufen fühlt, in Wirklichkeit aber lebensuntüchtig ist. Das Bild ist in der Neuen Pinakothek in München zu bewundern, eine zweite Fassung hängt im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
Als gelernter Apotheker hatte er nie eine Kunstakademie besucht und sich das Malen autodidaktisch beigebracht. 

Spitzweg wurde am 5. Februar 1808 geboren und schuf bis zu seinem Tod 1885 in München mehr als 1500 Bilder und Zeichnungen

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Diese Seite wurde zuletzt am 05. Januar 2008 aktualisiert.
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