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März 2004
 

Pensionierte Sittlichkeit

Es war einmal ein Auerhahn,
der hatte seine Pflicht getan,
acht Jahre lang und noch viel mehr,
dann ward der Dienst ihm etwas schwer.

Kein Ding auf Erden ewig dauert,
er hatte eben ausge-auert.
Nun ließ er seine Blicke schweifen
betrübt zu all den Ordensschleifen, Diplomen und den Ehrenpreisen,
die er er-auert einst auf Reisen.

Was halfen ihm jetzt all die Prämien?
Er mußt' sich vor den Hühnern schämien. 
Kein Hafer und kein Sellerie
entlockte ihm ein Kikeriki.

Es klang jetzt wie ein heisres Quieken
sein einst so frohes Kikerikieken.
Und alle Hennen, alle Glucken,
die waren darob baß erschrucken.

So stand er traurig wie Pik sieben
im Kreise seiner Hühnerlieben.
Man hat den Enterich gebeten,
den Hahn einstweilen zu vertreten.

Was kümmert sich das Federvieh
um Sittlichkeit und Bigamie.
»Jawoll«, sprach stolz der Enterich.
»Die Kleinigkeit besorge ich.«

Am Zaun stand nun der Auerhahn
Und sah voll tiefer Trauer an,
wie seine Hennen, seine Glucken,
ohn’ mit der Wimper nur zu zucken,

im Gegenteil, noch mit Frohlucken, 
sich von dem Entrich ließen ducken.
Verächtlich tät der Hahn ausspucken:
»Pfui Teufel, ja so sind die Glucken.« 

Dann kam der böse Bauer an
und schnappte sich den Auerhahn
und sprach: »Du oller Veteran
wirst höchstens für die Suppe taugen.« 
 

Dann schlossen sich zwei Hühneraugen.
Was ist des Lebens ganze Mühe?

Ein kleiner Topp voll Hühnerbrühe! 

Burschenschaft Teuto-Rhenania-Germania zu München e. V.
Kulturecke
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Diese Seite wurde zuletzt am 25. Februar 2004 aktualisiert.
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