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März 2005
 

Was Hasen und Eier mit der Auferstehung zu tun haben

Da grinsen sie wieder, die flauschigen Häschen. Lachen uns an aus Schaufenstern, Naschregalen und von Titelseiten. Schon kurz nach Weihnachten jubelt man uns Osternester, Eierfarben und Schokohasen unter. Doch warum hoppeln bis zur Karwoche gerade Hasen in die Kinderherzen, die (un?)sinnigerweise auch noch bunte Eier mit sich herumschleppen? Wir sind Meister Lampe auf die Fährte gegangen.

Wie wurden die profanen Feldhasen zu frechen Osterhäschen?
Die Antwort müsste eigentlich. lauten: Nichts Gewisses weiß man nicht. Denn Generationen von Gelehrten haben sich den Kopf darüber zerbrochen und widersprüchliche Theorien ersonnen. Am bekanntesten ist die nette, aber unwahrscheinliche Geschichte vom Backunfall, bei dem ein Osterbrot in Form eines Lammes (das als traditionelles Symbol des christlichen Osterfestes gilt) mit zulangen Ohren und zu kurzen Beinen kurzerhand zum Hasen umgedeutet wurde. Die schlauen Bäcker sollen es trotzdem mit Erfolg verkauft haben. Andere sagen, der Hase sei ein Bote der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara gewesen, die dem Fest ihren Namen geliehen habe. Pech nur, dass die Wissenschaft an der Existenz der Göttin zweifelt. Sicher ist: Der Hase war auch im Christentum ein Symbol für Fruchtbarkeit und auf Grund seines auffälligen Paarungsverhaltens bei frühen Kirchenvätern als Sinnbild für Unzucht und hitzige Geilheit verpönt. Papst Zacharias verbot gar 751 die Berührung und den Verzehr des gefährlichen Teufelsbratens. Die Assoziation von Sex und Hase findet sich heute noch – man denke nur an das Logo des „Playboy". Die Hasen indes haben im Frühjahr schauen, dass sie wieder von der Roten Liste gefährdeter Tiere kommen. Straßenverkehr und Rautiere setzen ihnen schwer zu. Und weil junge Häschen sich vor Mähdreschern ins Gras ducken, statt wegzulaufen, überlebt oft nur ein kleiner Teil des Wurfs. Zum Glück bringt die Häsin immerhin drei bis viermal im Jahr insgesamt bis zu 20 Junge auf die Welt. Die Menschen wissen dann: Der karge Winter ist vorbei, die Natur erwacht zum Leben. Die Verbindung vom Hasen hin zu Ostern als Fest der Auferstehung lag somit nahe.

Was haben denn bunt gefärbte Eier mit dem Osterfest zu tun?
Seit Uhrzeiten gilt das Ei als Fruchtbarkeitssymbol. Schon die Chinesen sollen vor 5000 Jahren zum Frühlingsbeginn bemalte Eier verschenkt haben. Die Christen sehen im Ei seit dem 5. Jahrhundert ein Sinnbild der Auferstehung Christi. Die meist rot gefärbten Eier standen für Blut und Leben, die harte Schale smbolisierte das verschlossene Grab. Der österliche Eierbrauch hängt zudem mit dem Ende der Fastenzeit zusammen: Eier galten als flüssiges Fleisch, ihr Verzehr war bis Ostern verboten. Die Hühner scherten sich aber nicht darum und legten fleißig weiter. Da bot es sich an, die österliche Spendenpflicht an Klöster und Grundherren in so genannten Zinseiern abzuleisten, die diese oft an arme Leute weiter verschenkten. Einige Eier wurden haltbar gemacht, verziert und in der Kirche geweiht, um sie dann auf dem Acker zu vergraben. Der Segen, der vom Ei aufs Feld überging, ließ auf eine üppige Ernte hoffen.

Wieso legt der Osterhase Eier, die er bemalt und auch noch versteckt?
Ein Osterhase, der Eier legt, wird schriftlich zum ersten Mal 1678 erwähnt. Der Heidelberger Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau schreibt in seiner Abhandlung „Von Oster-Eyern": „Im Elsass und den angrenzenden Gegenden nennt man diese Eier Haseneier auf Grund der Fabel, mit der man einfältigen im Geist und Kindern weismacht, der Osterhase lege solche Eier und verstecke sie in den Gärten im Grase, damit sie von den Kindern zum Ergötzen der lächelnden Erwachsenen desto eifriger gesucht werden," Viel spricht dafür, dass der Eier legende Osterhase eine evangelische Erfindung ist: Protestantische Familien des städtischen Bürgertums sollen ihn sich im 17. Jahrhundert ausgedacht haben. Sie wollten sich so von den Katholiken distanzieren, deren Eierweihe und Fastenbräuche sie strikt ablehnten. Das romantisch gestimmte Bürgertum des Biedermeier griff die schnuckelige Idee des Eierlegenden Hasen später gerne auf, die so wunderbar in die Vorstellung stillen Familienglücks passte. So war erst im 19. Jahrhundert der Hase, der die Eier bringt, allgemein im deutschsprachigen Raum ein Begriff. Lange legten beispielsweise im Elsass der Storch, in Sachsen und Holstein der Hahn, in Hessen der Fuchs und in der Schweiz der Kuckuck die bunten Eier ins Nest. Wie nun der Osterhase wirklich zum Ei kam, beantwortet 1847 der Dichter Eduard Mörike: „Erstlich ward ein Ei erdacht: Doch weil noch kein Huhn gewesen, Schatz, so hat’s der Has’ gebracht“.

Matthias Niese

Burschenschaft Teuto-Rhenania-Germania zu München e. V.
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Diese Seite wurde zuletzt am 01. April 2005 aktualisiert.
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